Banner-Foto: Adam Leonhardt – http://adam-leonhardt.deviantart.com/art/A-Very-Gamer-Christmas-340957491

Draußen wird es immer kälter, vielleicht purzelt sogar schon die eine oder andere Schneeflocke vom Himmel. Die fortgeschrittene Uhrzeit und die damit einhergehende Dunkelheit animieren die Nachbarn, ihre Balkone und Fenster festlich zu beleuchten. Zuhause wärmt der Herd einen Topf mit Milch, die auf den Kakao wartet, und die youtube-App des Smart-TV präsentiert ein zweistündiges Kaminfeuer in Ultra-HD.

Wie besinnlich. Life is beautiful.

Die Adventszeit, wie sie sein soll: Gemütlich, bedächtig, entspannt.

Irgendwann jedoch reicht es auch schon wieder mit den Lebkuchen, der ganzen Schokolade, dem Glühwein und den noch so schönen Weihnachtsmärkten. Ein bisschen Spaß muss sein, ein bisschen Action hat noch niemandem geschadet.

Für alle Freizeit-Nerds haben wir zehn großartige und zumeist kostenlose Games herausgesucht, die euch intellektuell oder emotional fordern und beglücken und somit optimal in die Adventszeit passen.

Zu viel über die Games wollen wir aber auch wieder nicht verraten – deshalb: gebt ihnen einfach eine Chance und genießt sie!

1.

Passage

  • Plattform: PC

Lasst euch von der folgenden, spärlichen Beschreibung nicht abschrecken. Zum einen gibt es kaum ein Wort, das die Emotionalität dieses Spiels wirklich fassen könnte. Und zum anderen würde beinahe jedes Wort, das dies versuchte, schon wieder zu viel verraten. Deshalb unbedingt selber spielen.

Passage ist das dritte von mittlerweile elf Spielen, die Jason Rohrer aus Kalifornien in seiner Freizeit entwickelt. Während sein Surfer-Style ihn vielleicht eher oberflächlich wirken lässt, zeugt Passage von einer immensen Tiefe. Es dauert nur ein bisschen, bis man sie begreift. Aber gerade das macht das Spiel zu einer sehr emotionalen Angelegenheit.

  • Preis: kostenlos

Schön zu lesen sind auch die Ausführungen des Programmierers zu seinem Werk. Aber bitte erst nach dem Spielen lesen.

2.

The Plan

  • Plattform: PC / Mac / Linux

Haben wir nicht alle schon mal davon geträumt, fliegen zu können? Was uns Menschen (zumindest aus eigener Kraft) im Normalfall verwehrt bleibt, ist für die Gemeine Stubenfliege alltäglich. (Fragt jetzt bitte nicht, ob es sich auch für eine Eintagsfliege so etwas wie ein Alltag einstellt…) Und genau als eine solche Fliege bestreitet ihr das Gameplay in dem kurzweiligen Spiel „The Plan“.

Erhältlich ist das Spiel kostenlos. Ihr könnt es entweder direkt auf der unten angegebenen Homepage herunterladen, oder ihr geht den Weg über Steam (was auch kostenlos ist). Die Installation dieser Spielebibliothek lohnt sich, wir haben im Folgenden noch weitere geniale Games, die ihr über Steam erhaltet. Egal ob mit oder ohne Steam, „The Plan“ ist einfach ein schönes, wenn auch kurzes Spiel. Das zeigen denn auch die zahlreichen positiven Bewertungen: „A short but beautiful game with lots of space for your own thoughts and fantastic music. 10/10”, “Great game, beautiful music, but no chance to defeat the boss. :)” oder auch “Cinematic Masterpiece. Dank Devs. 100% would play again”.

  • Preis: kostenlos
  • Auch erhältlich via Steam.

3.

Monument Valley

  • Plattform: Android, iOS, WindowsPhone

Wechseln wir vom Personal Computer zum Hosentaschen-Computer, dem Smartphone: Zwar teilt sich das Spiel „Monument Valley“ den Namen mit einem Teil des Colorado Plateau an der Grenze zwischen Utah und Arizona, hat mit dieser Wüstenlandschaft aber rein gar nichts gemeinsam. Viel größer ist die Ähnlichkeit hingegen mit den bekannten Gemälden E.C. Eschers, dessen Treppen im Kreis herum immer weiter hinaufführen und der allein durch einen Wechsel der Perspektive in seinen Bildern unmögliche Pfade erzeugte. Und genau darum geht es auch bei Monument Valley: Die kleine Prinzessin Ida, die man aus einer Art Vogelperspektive (no pun intended) steuert und im Laufe des Spiels immer mehr lieb gewinnt (getoppt noch durch das Totem, einen Freund).

Monument Valley ist ein kleines Abenteuer-Rätselspiel, das von seiner genialen und gleichzeitig verwirrenden Levelarchitektur lebt und gleichzeitig mit einer schönen Story überzeugt.

Das „Apple Spiel des Jahres 2014“ kostet für iOS und Windows Phone 3,99 Euro, für Android ist es entweder für 50 Cent oder via Amazon Underground-App sogar komplett kostenlos erhältlich.

  • Preis: kostenlos / 0,50 Euro / 3,99 Euro

4.

Little Wheel

  • Plattform: Alles, was Flash unterstützt

Little Wheel ist ein wunderschönes, aber sicher nicht typisches Flashgame. Ohne Installation kannst du es im Browser starten und findest dich nach einer kurzen Einführung in der Haut (oder besser Stahlhülle) eines kleinen Roboters wieder, der nun die Welt retten muss. Die Story ist sehr schön aufgezogen, eine musikalische Mischung aus Jazz und Swing im Hintergrund belebt das Gemüt, die Interaktion zwischen Charakter und Umwelt ist sehr putzig und herzerwärmend umgesetzt. Das Spiel ist im weitesten Sinn ein Point-&-Click und stellt zwar stets Rätsel, lässt den Spieler dabei aber nie allein. Etwas Hirnschmalz ist also durchaus nötig, Frustration tritt hingegen nie auf. Und zur Not gibt es eine kleine Anleitung sowie zahlreiche Tutorials / Walk Throughs auf youtube.

Der kleine Little Wheel ist sicherlich kein Wall-E, und im Gegensatz zu dessen Filmlänge von gut anderthalb Stunden lässt sich Little Wheel in sieben bis zehn Minuten durchspielen. Aber hey, diese paar Minuten reichen völlig aus, um ihn ins Herz zu schließen.

  • Preis: kostenlos

5.

Limbo

  • Plattform: PC (Steam), Android, iOS, PS4, Xbox One

Was ist Limbo für ein Spiel? Es ist komplett Schwarz/Weiß und trotzdem wunderschön. Es ist unglaublich atmosphärisch und doch stets auch irgendwie verstörend. Es ist sowohl Genie als auch Wahnsinn, es ist ein liebenswerter Freak. Trotz des durchgehend spürbaren Hangs zur Morbidität (der Name des dänischen Entwicklerteams passt da übrigens bestens dazu: Playdead) ist es ein schönes Spiel – auch oder vielleicht sogar gerade in der Adventszeit.

Von der Spielmechanik könnte Limbo gerade noch als Jump ’n Run durchgehen, verlangt aber zur Bewältigung auch einiges an Gedankensport und Hirnakrobatik.

Limbo ist für den PC / Steam (Demo kostenlos / Vollversion 1,99 Euro im Herbstsale), Android (Demo kostenlos / Vollversion 0,50 Euro) und iOS (3,99 Euro) sowie für Konsolen wie die Xbox One und die PS4 (je 9,99 Euro) erhältlich.

6.

The Stanley Parable

  • Plattform: PC (Steam)

Ich weiß nicht, wie ich dieses Spiel am besten beschreiben soll. „Köstlich“ trifft es aber wahrscheinlich ganz gut. Du spielst als Stanley, der einem typischen Bürojob nachgeht. Obwohl du sämtliche Handlung aus der Ego-Perspektive siehst und steuerst, wird die Geschichte gleichzeitig von einer charakterstarken (englischen) Sprecherstimme erzählt. Zumindest anfangs. Denn du hast die Freiheit, dich einfach anders zu verhalten, als es die Geschichte erzählt. Und der Erzähler wiederum reagiert höchst köstlich darauf.

Für dieses Spiel ist eine kostenlose Demo erhältlich. Im aktuellen Herbst-Sale bei Steam kann man es aber für gerademal 2,39 Euro abgreifen, was für dieses zahlreich ausgezeichnete Werk schon fast geschenkt ist.

  • Preis: 11,99 Euro (2,39 Euro im Steam Sale)

7.

Slender – The Eight Pages

  • Plattform: PC / Mac

Was wäre die Adventszeit ohne abendliche Spaziergänge in der Natur? Dieses Spiel ist quasi ein Nachtspaziergang-Simulator. Inklusive Horror.

Will sagen: Es könnte sein, dass du dieses Spiel vielleicht doch lieber nicht spielen möchtest. Weder in der Adventszeit noch sonst irgendwann. Wenn du hingegen zu den ganz Harten gehörst oder gehören willst, dann sorge dafür, dass beim Spielen sämtliche (Weihnachts-)Beleuchtung ausgeschaltet ist. Und bitte doch einen Freund, irgendwann plötzlich in das Zimmer zu stürmen. Dein Herz wird es dir danken.

  • Preis: kostenlos
  • Download:

8.

Flower

  • Plattform: PlayStation 4, PlayStation 3, PlayStation Vita

Ja, dieses Spiel kostet 7,99 Euro. Und ja, es geht um Blümchen. Viele Blümchen. Bunte Blümchen. Aber ist es deshalb nur etwas für die Gamer-Girls? Nein, bestimmt macht es auch den Herren der Schöpfung Spaß.* Aber sagen wir es so: Falls eine Dame sonst bisher absolut überhaupt nichts mit Computer- oder Videospielen anfangen konnte – dieses Game könnte alles ändern.

Worum geht es? Es geht darum, die Welt zu verändern. Als Windhauch. Das Spielprinzip: Durch Bewegen des Controllers steuerst du die Richtung des Windes, dessen Perspektive du übrigens auch einnimmst. Wind – an sich eigentlich nur ein Luftmassenausgleich von Hoch- zu Tiefdruckgebiet – ist ja an sich nicht sichtbar. Nur seine Auswirkungen. Und wie wirkt sich der Wind in diesem Spiel aus? Indem er ein buntes Blütenblatt aufhebt und durch die Luft wirbelt. Und damit andere Blumen zum Blühen anregt. Und deren Blütenblätter mitnimmt.  Ein bunter Spekulatius äh ein buntes Spektakel.

* Zum Thema „Ein Spiel auch für die Herren?“: Der Playboy hat dem Spiel „Flower“ ein Review gewidmet. Ihr Fazit: „It may look girly, it may look weird but, trust me, playing is believing.”

9.

Every Day the same Dream

  • Plattform: Alles, was Flash unterstützt

Das Spiel handelt vom Aufstehen, Anziehen und Arbeiten. Das dürfte vielen erstmal bekannt vorkommen. Dennoch hoffe ich sehr, dass sich in diesem Spiel niemand wirklich wiederfindet – denn es zeichnet ein sehr graues und ein sehr tristes Bild: Jeden Tag derselbe Ablauf: Kaum Interaktion mit der Ehefrau, ewiger Stau, Stress mit dem Chef. Und das Tag für Tag.

Bis du als Spieler irgendwann anfängst, Ausschau zu halten. Nach Dingen, die du anders machen kannst. Die Routine aufbrechen. Dein Leben verändern. Das Schicksal selbst in die Hand nehmen. Unterstützt von einer älteren Dame im Aufzug entdeckst du fünf wesentliche Veränderungen an deinem Alltag. Und dein Leben verändert sich.

Das innerhalb von nur sechs Tagen entstandene Spiel versteht sich selbst als interaktive Erfahrung. Die Geschichte will eine Moral haben, weshalb das „Spiel“ keinen Spaß machen muss. Nicht was im Spiel, sondern was im Kopf des Spielers passiert – das macht das Spiel letztlich zu einem guten Spiel.

  • Preis: kostenlos

10.

Game Royale: Jäger der verlorenen Glatze

  • Plattform: PC / Mac, Android, iOS

Nach dem tristen und grauen „Every Day the same Dream“ ist es nun natürlich wieder Zeit für etwas Buntes und Spaßiges. Nun gibt es ja diejenigen Leute, die Jan Böhmermann total mögen. Und es gibt diejenigen, die ihn absolut nicht mögen. Und höchstwahrscheinlich gibt es auch alle möglichen Leute dazwischen. Wie auch immer: Wer mit dem Humor des Neo Magazin Royale auch nur halbwegs etwas anfangen kann, wird auch den Humor des auf Retro getrimmten Game Royale feiern. Und wer von euch mit einem hoch genugen Alter gesegnet ist oder sonst sehr nerdig (oder geekig, denn Geeks sind die neuen Nerds) aufgewachsen ist, wird sich an Games wie Monkey Island erinnert fühlen. Sowohl vom Humor, als auch von der Grafik, dem Point-and-Click-Spielprinzip und dem dreiköpfigen Affen.

Mit klassischem 8-bit-Charme aber top-moderner Vertonung widmet sich das kurzweilige Abenteuer der Welt des Neo Magazin Royale. Auf der Suche nach dem verschwundenen William Cohn begegnet der vom Spieler gesteuerte Böhmi allerhand Neo-Prominenz (wie beispielsweise den allzeit hilfsbereiten Bastelbrothers) oder bekommt es mit der Steuerfahndung zu tun (gemimt vom Pol1z1stens0hn a.k.a. Blasser, dünner Junge). Im Wesentlichen geht es darum, Dinge zu suchen, zu finden, zu kombinieren und anzuwenden. Gefordert wird dazu durchaus etwas Hirnschmalz, belohnt wird man aber wiederum mit köstlichen Dialogen und Anspielungen.

  • Preis: kostenlos

11.?

There is no Game

  • Plattform: PC / Mac / Linux, Android

Wir haben euch 10 + 1 Games versprochen, aber vielleicht sind es doch eher 10 + Keins. Denn das elfte Spiel in dieser Liste behauptet felsenfest von sich, es sei kein Spiel. Ob dem wirklich so ist, darf der Spieler (oder vielleicht besser: Nicht-Spieler) selbst herausfinden.

Das (Nicht-)Spiel verfolgt einen eigenen Humor, der durch die Erzählerstimme (die der Programmierer höchstselbst beigesteuert hat) direkt an den Rezipienten übermittelt wird. Was dieser wiederum daraus macht, erfreut die im Spiel heimische Erzählerstimme recht wenig.

Überzeugen kann „There is no Game“ durch eben diese witzig gestaltete Interaktion zwischen Spieler und Erzähler sowie vor allem durch die zahlreichen popkulturellen Anspielungen. Während Brickforce vor allem den Videospiel-Veteranen ein Begriff sein dürfte, muss man wohl schon ein relativ aktueller Nerd / Geek sein, um zu verstehen, warum eine Ziege ein verbuggtes Spiel retten kann.

Wer sich vom Humor nicht wirklich abgeholt fühlt, wird wohl enttäuscht. Das ist dann aber nicht die Schuld des Spiels. Denn es ist ja kein Spiel. Oder etwa doch?

  • Preis: kostenlos

Ganz klar: Es gibt noch viele andere geniale Spiele. Mir fallen spontan noch „The Unfinished Swan“ (12,99 Euro) oder „Firewatch“ (19,99 Euro) ein, die beide einfach mal völlig anders funktionieren als Mainstream-Games. Bei „The Unfinished Swan“ bewegt ihr euch durch eine völlig weiße Welt und entdeckt Formen, Wege und Gegenstände nur, indem ihr mit Farbklecksen um euch werft. Dazu noch eine packende Geschichte, schon ist ein tolles Spiel entstanden. Und „Firewatch“ ist zwar mehr Film denn Spiel, aber trotzdem unglaublich fesselnd. „Dear Esther“ ist ebenfalls ein Beispiel für ein außergewöhnliches Spiel. Außergewöhnlich ist sicherlich auch der Reeperbahn-Simulator – allerdings im negativen Sinne. Deshalb gibt es dafür keine Empfehlung – dafür aber den Link zum Artikel „Mit Bonita oben ohne über die Reeperbahn“ von Kollege Lukas Hoffmann.

Es könnten an dieser Stelle noch viele viele weitere geniale Spiele genannt werden. Und wir sind neugierig: Welche sind eure Lieblings-Games? Und was ist euer Favorit in der Adventszeit?

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