Über den Charakter des Bieres

Ein Plädoyer für den Biergenuss im Advent

Winterzeit ist Glühweinzeit! Wirklich? Es gibt etliche Genießer, die auf die Kopfschmerzen nach dem Verzehr des überteuerten, klebrig-süßen Traubensaft-Rum-Gepansche auf dem Weihnachtsmarkt verzichten können. Echte Kenner schätzen eben noch das Handwerk und den handwerklich erschaffenen Genuss. Und wo steckt mehr Handwerk drin als in Bier? Erste Besserwisser höre ich bereits wieder aufschreien, dass doch das Bierbrauen in den großen industriellen Brauereien nichts mehr mit herkömmlichen Handwerk zu tun hätte. Wie komme ich also zu dieser steilen These?

Bevor der Computer einer Brauanlage so programmiert werden kann, dass in der Abfüllung immer ein Bier von möglichst gleichbleibendem Geschmack und gleichbleibender Qualität ankommt, muss der Braumeister erst einmal ein Rezept entwickeln. Und darin steckt die wahre Kunst. Mit nur Hopfen, Malz und Hefe können unendlich verschiedene Geschmacksrichtungen kreiert werden. Und die Braumeister brauen immer wieder Testchargen, bis sie irgendwann den Geschmack erreicht haben, den sie sich vorgestellt haben. Ich spreche hier nicht von den großen Brauereien, die ihr Pils für den Massenmarkt nach Schema-F brauen, weil ihnen eine Formel sagt, wie sie einen Geschmack entwerfen, der von möglichst vielen Menschen gekauft wird. Ich spreche von den Braumeistern, die Liebe in ihr Produkt gesteckt haben. Ich spreche von Bieren, bei denen man den Charakter schmeckt. Biere die in der Lage sind, positive Erinnerungen zu schaffen, die streitbar sind, die beim Trinken Emotionen auslösen, egal ob positive oder negative. Biere, die die volle Aufmerksamkeit fordern und bei denen man sich gerne Zeit lässt.

Genau diese Biere sollte man sich in der besinnlichsten Zeit des Jahres gönnen. Wenn man an einem Adventssonntag mit Familie oder Freunden zusammensitzt, einfach mal ein gutes Bier aufmachen, in ein passendes Bierglas gießen und ganz bewusst verkosten. 24 Biere, die ich genau an so einem Adventssonntag in besinnlicher Stimmung genießen würde, habe ich hier zusammengetragen.

Wer sich betrinken möchte, der sollte doch lieber zum Glühweinstand gehen.