Illustration: Franziska Moltenbrey

Eines vorweg: Das soll kein „Früher-war-alles-besser“-Artikel sein. Dafür fehlt mir mit meinen 24 Jahren jegliche Praxiserfahrung. Aber was war das neulich auf der Fahrt von Stuttgart nach Frankfurt am Main? Ein älteres Ehepaar unterhält sich auf den Sitzen vor mir. Doch je länger ich dem Gespräch lausche, desto klarer wird mir: Die kannten sich vorher gar nicht. Das gibt’s doch nicht! Sowas ist mir noch nie passiert. Ich habe wirklich noch nie mit Fremden während einer Zugfahrt ein längeres Gespräch geführt. Damit kein falscher Eindruck entsteht: Ich bin kein sozial inkompetenter Mensch und rede durchaus gerne. Da liegt also der Verdacht nahe, dass es nicht an mir liegt, sondern an unserer heutigen Zeit. Das vermeintliche Ehepaar war bestimmt nicht zufällig geschätzt Mitte 60.

Fragt eure Großeltern doch mal nach ihren Erlebnissen auf Zugfahrten, und ihr werdet vermutlich eine Reihe solcher Anekdoten zu hören bekommen. Meine Oma jedenfalls hat mir erklärt: „Früher waren Zugreisen ein großes Ereignis, jedes Mal haben wir nette Leute kennengelernt.“ Und heute? Unter eine lustige Zugfahrt fallen eher grölende Fußball-Hooligans auf dem Weg zum Auswärtsspiel oder der Start in den Junggesellenabschied auf Malle. Kontakt zu Mitreisenden bekommt man eher unfreiwillig: Eng aneinandergedrängt auf dem Gang stehend, wenn der Zug mal wieder gnadenlos überfüllt ist.

Nur noch Mittel zum Zweck

Klar, die Bahn ist für uns nur noch Mittel zum Zweck. In Zeiten der Globalisierung haben sich die Reichweiten eindeutig verändert. Die Bahnfahrt zu Tante und Onkel nach Buxtehude kann da nicht mithalten und ist längst kein „Event“ mehr. Schade eigentlich, wir sollten uns mal wieder an den kleinen Dingen erfreuen.

Immerhin nannten bei einer Umfrage des Statistischen Bundesamts 34 Prozent den Zug als einen besonders guten Ort für Unterhaltungen. Vielleicht mit Freunden oder der Familie, aber mit Fremden? Vor allem in ICE macht sich meistens eine geschäftige Stille breit. Haben die Leute einfach mehr zu tun als früher? Zumindest können sie überall arbeiten: Einfach den Laptop aufklappen und weiter geht‘s.

Oase der Ruhe?

Eine andere Umfrage zu den Gründen für Bahnreisen ergab allerdings, dass die Mehrheit in ihrer Freizeit mit dem Zug unterwegs ist und eben nicht geschäftlich. Warum schweigt diese Mehrheit lieber, als dass sie redet? Vielleicht, da man im sonst so hektischen Alltag mal eine Oase der Ruhe braucht: Kopfhörer rein und losfahren. Oder weil man damit beschäftigt ist, Alternativzüge und -routen zu finden, weil der Zug mal wieder zu spät kam.

Überhaupt, Verspätungen: Sie sorgen dafür, dass wir Bahnfahren als lästiges und unkalkulierbares Übel empfinden und uns lieber Kopfhörer in die Ohren stöpseln, um den meist wenig hilfreichen Durchsagen zu entgehen. „Pünktlich wie die Eisenbahn“, das ist ein Mythos aus vergangenen Zeiten. „Überfüllt und zu spät“, lauten die Attribute der Deutschen Bahn heutzutage. Wer ist da noch entspannt genug, um neue Bekanntschaften zu schließen? Augen zu und durch – das trifft es wohl am besten.

Wie du auf Zugfahrten entspannter wirst? Lies mal die folgenden (nicht ganz ernst gemeinten) Tipps:

 

Für alle Eventualitäten gewappnet:
das perfekte Outfit zum Bahnfahren

  1. Zwiebellook: Ausgefallene Klimaanlage bei 40 Grad: alle Schichten aus! Klimaanlage auf wohltemperierte 15 Grad eingestellt: alle Schichten an!
  2. Kapuzenjacke: Für die Empfindlichen unter uns: Du weißt nie, wer vor dir auf deinem Platz saß.
  3. Turnschuhe: Trage Schuhe, in denen du gut zum Anschlusszug sprinten kannst.
  4. Rucksack: (Funktionierende) Rolltreppen und Aufzüge an Bahnhöfen sind keine Selbstverständlichkeit. Du musst dein Gepäck eventuell lange, steile Treppen hinaufschleppen.
  5. Ein großer Geldbeutel: In den genügend Geldscheine für eine Hotel-Übernachtung passen.
Lauf, du Memme!
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