Weihnachtsmarkt, Glühwein, Plätzchen, Deko-Sterne: All das versüßt uns die Vorweihnachtszeit. Doch nichts steigert die Vorfreude auf Heiligabend mehr als ein Adventskalender. Seit dem 19. Jahrhundert freuen sich Kinder und Erwachsene 24 Tage lang über kleine Überraschungen, die an Heiligabend (hoffentlich) in der großen Überraschung in Form von tollen Geschenken gipfeln.

Und Geschenke findet ja wohl jeder toll. Daher bin ich auch mit 24 Jahren noch nicht zu alt für einen Adventskalender. Das sieht zum Glück auch meine Mutter so, denn sie schenkt mir jedes Jahr einen. Und zwar einen „richtigen“ Adventskalender.

Was in meinen Augen ein „richtiger“ Adventskalender ist? Na, einer mit Geschenken natürlich.

Vor geschätzt 20 Jahren nähte meine Mutter kleine Stoff-Säckchen, mein Vater sägte eine Tanne aus Holz zurecht, malte sie grün an und von da an pflückte ich Jahr für Jahr kleine Geschenke von meinem Holz-Weihnachtsbaum. Seit ich vor fünf Jahren von Zuhause ausgezogen bin, landen die Säckchen praktischerweise in einem Karton, der sich leicht transportieren lässt.

Klar, Adventskalender mit Schokolade sind auch nett. Aber eigentlich nur als Zugabe. In meiner Kindheit hatten meine Freunde und ich einen „richtigen“ UND einen mit Schokolade – doppelt hält besser!

Die coolen Kids priesen ihre Kalender von Playmobil, Barbie oder Lego an.

Doch mir waren die Säckchen lieber. Da wusste ich vorher nie, was mich erwartet, konnte es nur erfühlen. Labello, Hanuta, Kaugummis, Haarspangen: jedes Jahr 24 süße Kleinigkeiten – bis heute.

Nur einmal erlebte diese Tradition einen Einschnitt: Vor ein paar Jahren bekam ich einen Papier-Adventskalender. Gut, ich war 20 Jahre alt und reagierte gefasst, immerhin gab es jeden Tag ein Zitat aus Antoine de Saint-Exupérys Erzählung „Der kleine Prinz“. Als Kind wäre ich aber vermutlich in Tränen ausgebrochen.

Obwohl definitiv als „first world problem“ einzuordnen, Kindern einen Adventskalender aus Papier zu schenken – das ist wirklich grausam.

Noch grausamer wäre es natürlich, gar keinen Adventskalender zu haben. Jedes Jahr bange ich von neuem, ob dieser Fall nun eintreten wird. Kann man zu alt für den Adventskalender seiner Eltern sein? Ich finde nicht.