Illustration: Franziska Moltenbrey

„Ich hab‘ jetzt auch ein Sämsong!“ Mit diesem Satz läutete meine Mutter vor etwa zwei Jahren eine neue Ära ein: die Ära der WhatsApp-Familiengruppe. Was zaghaft mit Fragen wie „Wann kommst du nach Hause?“ begann, gipfelt nun immer in einer Bilderflut, sobald meine Eltern im Urlaub sind. Sätze wie „Impressionen aus…“ oder „Grüße von…“ betiteln unzählige Bilder, gerne in der Selfie-Variante. Heißt: wenig Landschaft, viele glückliche Gesichter. Ich weiß aber, wie meine Eltern aussehen.

Doch unsere Familiengruppe ist gar nichts im Vergleich zu den Gruppen, in denen mein Vater Mitglied ist.

Ein Sturm an „lustigen“ Bildern und Videos der Kumpels und Kollegen prasselte zeitweise täglich auf ihn ein, sodass es ihm selbst schon zu viel wurde. Der Arme! Die „lustigsten“ frauenfeindlichen Bilder und Videos landeten selbstverständlich auch in unserer Familiengruppe, in der wir Frauen wohlgemerkt in der Mehrzahl sind.

Unsere Eltern sind in Wahrheit die Generation Smartphone

Was die vielen Bilder und Videos auf dem Smartphone bringen? Sie ermöglichen den ultimativen Wettstreit bei Familienfeiern! Wer das dümmste Video zeigt, gewinnt – oder so ähnlich. Die Generation Smartphone sind zumindest in meiner Familie nämlich nicht wir Unter-30-Jährigen. Wir lassen das Handy bei Familienfeiern in der Tasche oder sogar im Auto, ein gelegentlicher Blick genügt. Nicht so unsere Eltern: Sie vergleichen ihre Bilder und Videos, lesen fleißig „Spiegel Online“ und: „Huch: Mein Handy hat vibriert, schnell die Nachricht lesen!“ Ich für meinen Teil habe den WhatsApp-Nachrichtenton seit Jahren ausgestellt.

Tja, und jetzt stellt euch das Drama vor, wenn der Akku des Smartphones kaputt ist und WhatsApp nicht funktioniert! Ich erspare euch die Details. Meine Eltern erklärten sich übrigens damit einverstanden, dass ich diesen Artikel veröffentliche. Die nehmen das locker, erfreuen sich an ihren digitalen Endgeräten und ihrer Jugendlichkeit (räusper). Aber vielleicht sollten sich die Kritiker der Generation Smartphone mal an die eigene Nase fassen – oder das Thema einfach lockerer sehen. Willkommen in der Zukunft!

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