Mal ehrlich: Unsere Generation ist nur auf Achse. Mal eben nach München hier, mal kurz nach Hamburg dort. Auslandstermin in Mailand? Ja klar! Morgens hin, abends zurück. Ich bin begeisterter Flieger und nehme euch mit auf einen ganz normalen Linienflug.

„Haben Sie Flüssigkeiten dabei?“, fragt mich die Frau im Hosenanzug herzlos und knallt den Sicherheitscontainer auf den Tisch. Ach Mensch. Wenn das Sicherheitspersonal an deutschen Flughäfen doch lockerer wäre. Die Lovestory wäre perfekt.

Sicherheitskontrollen nerven mich zu Tode. Nicht nur wegen des unfreundlichen Personals. Nein:  Das ewige Herunterstürzen halbvoller Wasserflaschen. Das nervöse Herausfummeln des Laptops kurz vor dem Scannergerät. Ein Graus. Dieser Teil des Fliegens macht mir persönlich weniger Spaß. Aber gut, Sicherheit muss sein.

Irgendwann hat man es dann aber doch hinter sich. Das Gate ist nicht mehr weit. Meistens gönne ich mir zum Start in den Flug ein kühles Getränk. Gerne mit Koffein.

Am Gate geht es dann los. Laptop auf die Knie, anfangen zu texten. Auch wenn ich ein Special-Interest Volontär bin, beäuge ich gerne die Menschen um mich herum. Frage mich,  wie sie wohl mit Vornamen heißen oder was ihr Reisegrund sein könnte. Ob aufgehübschte Business-Powerfrau im Hosenanzug oder pummeliger Rocker mit Festivallbändchen und schrillender Kopfhörermusik. So manche Phantasie ist wirklich köstlich. Man weiß ja nie, für welchen Text die gewonnenen Beobachtungen und Eindrücke nochmal gut sein könnten.

Das grüne Boarding-Licht beginnt aufgeregt hin und her zu springen. Es ist Zeit, den Silbervogel zu besteigen. Erste Hektik kommt auf: Jeder will der erste im Flugzeug sein. Ich bleibe häufig noch 2-3 Minuten sitzen, bevor ich in mich auch mit Bordkarte bewaffnet auf den Weg mache.  Die Zeit verliert man sowieso wieder im Zugang zum Flugzeug.

Tipp von mir: Warte nicht zu lange, wenn du zwei Gepäckstücke dabei hast. Ansonsten landet durch Raumknappheit im „Head-Locker“ eines der beiden im Bauch des Fliegers. Das heißt: Du wartest am Zielort elendig lange am Kofferband. No Go!

Jetzt geht es an die Sicherheitshinweise. Dafür nehme ich grundsätzlich meine Kopfhörer ab. Ich finde es einfach respektlos, das Bordpersonal keines Blickes zu würdigen, während es sich im schmalen Gang für unsere Sicherheit zum Affen macht.

Einen kleinen Hintergedanken hat die Aufmerksamkeit natürlich auch: Besonders mit hübschen Stewardessen habe ich gerne Blickkontakt. Hach ja, diese Bleistiftröckchen haben einfach etwas an sich. Vielleicht wird mir ja durch charmantes Auftreten im Notfall eher eine Schwimmweste zugeteilt. „Nein Hoffmann, die liegt unter dem Sitz. Hast du nicht zugehört?“ zeigt mir meine innere Stimme den Vogel. „Außerdem fliegst du heute von Hamburg nach Stuttgart, da gibt es eher weniger Meer.“

Ein weiterer Grund für die Kontaktaufnahme über die Augen ist der Traum wohl jeden Mannes: die Mitgliedschaft im Miles High Club, in den man nur kommt, wenn man Sex über den Wolken hat.

Keine der charmanten Stewardessen wollte mir diesen Traum bisher erfüllen – okay, gefragt habe ich noch nicht. Dafür bin ich viel zu schüchtern. Immerhin hat sich mein kurzer Flirt mit den Augen schon oft für meinen Magen gelohnt: Statt eines Air Berlin-Lindtschokiherzens bekam ich manchmal sogar eine ganze Hand voll. Ob das der Trostpreis für den fehlgeschlagenen Miles High Versuch ist? Man kann nur mutmaßen. Meinen Bauch hat es jedenfalls gefreut.

„Cabin Crew, be ready for departure“

Gleich geht’s los. Ich liebe diesen Moment, wenn der Schub der Triebwerke einsetzt. Bei fast keinem Mietwagen dieser Welt wirst du derartig  in den Sitz gedrückt – jedenfalls bei keinem der 29€ am Tag kostet.

Auch wenn nun sicher die Ultras der Deutschen Bahn argumentieren, dass der ICE ja teilweise  mit 300 km/h durch die Republik fegt, verweise ich gerne auf die Beschleunigung: 0-300 in 12 Minuten sind für euch schnell? Schon mal was von 730 km/h Reisegeschwindigkeit gehört, ihr Nasen?

Spätestens beim flug-typischen „Ping-Geräusch“, welches Signal zum Anlegen der Sitzgurte ist, setzt sich bei mir eine Arbeitsmoral frei, die ihres Gleichen sucht.

Für Nicht-Schreiberlinge: Der Job des Redakteurs oder Volontärs ist nicht immer einfach. Es gibt Tage, da schreiben sich Texte wie von allein. Jede Formulierung geht einfach von den Fingern, die Übergänge flutschen traumhaft in die Tastatur. Und dann gibt es Tage, da muss man sich für jedes Wort abmühen. Tage, an denen du die Entfernen-Taste mehr benutzt als alles andere…

Über den Wolken gelten für mich eigene Gesetze – wie auch jetzt, wo ich gerade diesen Text für euch verfasse. Sollte mein Chef diese Story lesen, wird er sich sicher Gedanken machen, ob die Anschaffung einer Lufthansa Senatorkarte sinnvoll ist. Spaß beiseite..

Vielfliegerleben.

Diese Wortkreation ist ja irgendwie ein sehr fragwürdiges Ding.

Was mich aus meinen Workflow reißt?

Ewige Fragen wie „Wurst oder Käse, Käse oder Wurst?“

„Süß oder salzig?“ (je nach Stewardess natürlich mit süß zu beantworten) Oder fragende Aufforderungen wie „dürfte ich mal durch“, wobei ich immer öfter feststellen muss, dass die Bevölkerung unter zu kleinen Blasen leitet, auch Konfirmandenblasen-Syndrom genannt. Auch deswegen bin ich Fensterplatz-Sitzer…

Zum Abregen reicht dann aber schon ein Blick nach draußen: Wolken oder Berge in Vogelperspektive lassen einen einfach entspannen. Fährt man im Zug beispielsweise durch das Ruhrgebiet, steigen die Aggressionen hingegen sogar  an. Das Stadtbild von Bochum bis Dortmund erinnert mich eher an die Hölle als an Deutschland.

Was ich bei Turbulenzen mache? Mir kommen noch bessere Textideen. Kein Scherz – wenn es ruckelt und ungemütlich wird, arbeiten meine Synapsen scheinbar noch effizienter. Besonders bei Luftlöchern jubelt mein Abenteurerherz auf.

Besonders schön ist es dann Passagiere neben sich zu haben, die unter Flugangst leiden. Man kann sich ja mal einen Scherz erlauben: „Ohje, jetzt stürzen wir sicher ab.’“

*Panischer Gesichtsausdruck*

Köstlich! Aber keine Sorge – so gemein bin ich nur bei Leuten mit zu kleiner Blase oder Mitmenschen, die grundsätzlich das gesamte Staufach über unseren Köpfen blockieren.

Vielleicht liegt es auch an meinem Unverständnis gegenüber Flugangst: Hier oben auf mehreren tausend Fuß Höhe kann man doch ohnehin nichts machen, sollte etwas passieren. Es gibt keinen Fallschirm, atmen können Menschen hier oben auch nicht. Hinzu kommt, dass niemand dieses Flugzeug fliegen könnte, wenn die Besatzung ausfällt; nicht mal die eingefleischtesten Flugsimulator-Zocker. Also heißt es auch wenn es ungemütlich wird: zurücklehnen und den Piloten machen lassen. Der fliegt schließlich hauptberuflich und weiß was er tut.

Steigt der Druck auf den Ohren, ist die Landung nicht mehr weit.

Nervig: Leute die meinen bei einer sauberen Landung klatschen zu müssen. Ein befreundeter Pilot erzählte mir neulich, dass er vorne im Cockpit ohnehin nichts hört. Also: Spart euch die peinliche Nummer.

Parkposition nicht mal erreicht und schon klicken die ersten Gurte. Am schlimmsten scheint hier das pensionierte Volk 65+ zu sein. Als wüssten diese Mitmenschen, dass ihnen nur noch wenige Lebensjahre bleiben, stürmen sie meistens zum Ausgang – ohne Rücksicht auf Verluste. Für mich unverständlich: Wer mit Stress fliegt hat sowieso keinen Spaß und schneller geht es auch nicht, wenn man hetzt. Dabei soll reisen doch eigentlich Freude machen – oder?

Ich steige jedenfalls nur ungern auf andere Verkehrsmittel um. Fliegen ist für mich das Größte!

 

Fotos: Lukas Hoffmann / Maximilian Immer