Bild: WikiNight2

Manche Freizeitaktivitäten sind nicht gerade günstig. Aber manche Dinge muss man einfach mal erlebt haben im.

Besonders, wenn die legendäre Reeperbahn in Hamburg nur einen Katzensprung entfernt ist.

Oben ohne in Hamburg

Ein sonniger Herbsttag: Ein Kumpel besucht mich aus dem fernen Stuttgart. Natürlich will ich ihm „mein Hamburg“ zeigen. Also los. Wir erkunden das Schanzenviertel, gehen an den Landungsbrücken auf großer Hafenrundfahrt und steigen schließlich auf den Michel hinauf.

„Was gibt es denn noch in Hamburg, was man mal gemacht haben muss?“ fragt mich Kev.

Ein Grinsen folgte. „Kiez, St.Pauli, Große Freiheit, Reeperbahn  – was hältst du davon?

„Muss man mal gemacht haben!“

Okay, also los. Überall stehen Sie auf dem Kiez. Wir wollen es wirklich wissen: Portemonnaie auf, die Karte gezückt. Wir interessieren uns für Gabi, aber die ist optisch schon ein wenig mitgenommen. In der Nähe der Herbertstraße treffen wir auf Gabriele, die aber nicht gerade ein Spitzenmodell ist. Sandys süßes Hinterteil macht mich an, aber leider war ein anderer schneller als ich. Na gut, Renata ist auch eine stolzes Modell, aber bevor ich mich versehe, ist schon ein anderer in ihr. Ich will Spaß und gebe gern das Geld dafür raus. Also was solls! Von weitem sehe ich sie: Sophia, eine verführerische große Lady. Sie verrät mir, dass ein Kunde gerade lange Spaß mit ihr hatte. Sie muss ihre Akkus aufladen bevor ich mit ihr meine Runde haben kann. Ich bin enttäuscht, so lange will ich nicht warten. Aber gleich um die Ecke steht sie: Kevin und ich sind uns sofort einig.  Wir haben uns Bonita ausgesucht. Eine bayerische Schönheit. Leckere Kurven, stolzes Auftreten und neu im Geschäft. Äußerlich nur wenige Gebrauchsspuren – in diesem Branche eine Seltenheit.  Die Tür fällt ins Schloss. Gespannte Stille.  „Wenn schon oben ohne, oder?“  sage ich belustigt. Kev stimmt zu.

Jede Minute kostet, deswegen will ich endlich loslegen. Kevin hat schon sein Handy gezückt, um den großen Moment zu filmen.

Ich traue mich, finde mich aber nicht sofort zurecht. Merklich bin ich noch etwas unvertraut mit Bonita. Aber ich bin mir sicher: Die Lady wird mir in den kommenden Minuten eine gute Zeit bescheren, mich in den Sitz pressen und mir Laute entlocken, wie ich sie nur selten von mir gebe.

„I’m a Sinner, I’m a Saint…“,

spielt sich in meinem Kopf ab.

Also los: Ich drücke den Start-Knopf, starte den Motor von Bonita, einem BMW 230i von Drive Now. Drive Now ist der Carsharing-Anbieter vom bayerischen Autohersteller. Bei den verfügbaren Fahrzeugmodellen verwendet das Unternehmen gerne Frauennamen. So verbirgt sich hinter der oben genannten Sophia BMWs Elektroauto i3, Gabi ist ein 116i in schicker schwarzer Farbe. Süßer Hintern? Du hast richtig vermutet: Es handelt sich um einen Mini Cooper, auch Sandy in der Buchungsapp genannt. Was dachtest du denn?

Frauenrechtsverfechtern sei gesagt: Auch Männernamen zieren die Fahrzeuge der weltweiten Drive Now-Flotte. Dennoch sind Sätze wie „Ich miete mir Jennifer für eine kurze Runde. Sind ja nur 31 Cent pro Minute.“ etwas fragwürdig, oder?  Vielleicht hätten es die Namen von Stadtteilen von der jeweiligen City oder anderen Weltmetropolen ja auch getan…

Langsam zirkle ich den Wagen aus der Parklücke. Die Blicke von Fahrer und Beifahrer treffen sich: Bonita lässt die Hüllen fallen. Der Cabriomodus ist aktiviert.

Sitzheizung an, es sind nur 8 Grad draußen. „Man man man, unser Klimaabdruck ist heute wieder eine Katastrophe“ beschwert sich Kev, der weiterhin sein iPhone gespannt in der Hand hält. Er weiß, dass es gleich losgeht.

Die Ampel springt auf Orange und meinen Lippen entfährt lüsternes „Don’t be gentle, its a rental!“

Kickdown, Bonita ringt um Halt, heult auf und presst uns in die Sitze. Das Gefühl von Freiheit fährt mir durch den Körper. Ein Jubeln kommt aus meiner Kehle. 34 Cent kostet mich die Minute mit Bonita, dabei sogar oben ohne.

Egal, diesen Spaß lasse ich mir etwas kosten. Schließlich ist er besser als so manch anderer Zeitvertreib auf St. Pauli.

 

Fotos: Lukas Hoffmann / Patrick Lang